Immobilienpreise 2026: +8,2% Deutschschweiz, nur +3,4% Romandie
Eine neue MoneyPark-Studie zeigt: Häuser in der Deutschschweiz verteuerten sich 2026 doppelt so schnell wie in der Romandie. Was das für Verkäufer heisst.
Wer sein Haus in der Deutschschweiz verkauft, sitzt 2026 am deutlich längeren Hebel als jemand mit einem vergleichbaren Objekt am Genfersee. Das zeigt eine am 5. August 2026 veröffentlichte Studie von MoneyPark und PriceHubble: Einfamilienhäuser in der Deutschschweiz verteuerten sich im Jahresvergleich um 8,2 Prozent, in der Romandie waren es lediglich 3,4 Prozent. Für Verkäuferinnen und Verkäufer heisst das: Preisstrategie und Erwartungen an die Käuferschaft müssen sich daran orientieren, in welcher Sprachregion die Liegenschaft steht.
Die Zahlen im Überblick
Landesweit legten die Preise für Wohneigentum im ersten Halbjahr 2026 gegenüber Ende 2025 weiter zu: Eigentumswohnungen wurden im Schnitt 2,4 Prozent teurer, Einfamilienhäuser 3,7 Prozent. Im Jahresvergleich ergibt das ein Plus von 5,9 Prozent bei Wohnungen und 6,9 Prozent bei Häusern, wie cash.ch berichtet. Besonders das zweite Quartal habe den Preisauftrieb noch einmal beschleunigt.
Diese nationalen Durchschnittswerte verdecken allerdings ein deutliches Gefälle zwischen den Sprachregionen.
Deutschschweiz zieht davon
Bei den Einfamilienhäusern ist der Unterschied am grössten: plus 8,2 Prozent im Jahresvergleich in der Deutschschweiz gegenüber plus 3,4 Prozent in der Romandie – mehr als das Doppelte. Auch bei Eigentumswohnungen bleibt die Deutschschweiz vorne, wenn auch mit kleinerem Abstand: 6,0 Prozent gegenüber 5,5 Prozent in der Westschweiz, so finews.ch.
Schon im ersten Halbjahr allein zeigt sich das gleiche Bild: Einfamilienhäuser in der Deutschschweiz kosteten 4,2 Prozent mehr als Ende 2025, in der Romandie waren es 2,0 Prozent. Bei den Eigentumswohnungen lag das Halbjahresplus bei 2,6 Prozent in der Deutschschweiz gegenüber 1,8 Prozent in der Westschweiz.
Wer eine Deutschschweizer Liegenschaft verkauft, verkauft in einem Markt, der sich rund doppelt so schnell erhitzt wie jener am Genfersee oder in Neuenburg.
Woher kommt das Gefälle?
Die Studie führt den generellen Preisauftrieb auf das anhaltende Tiefzinsumfeld zurück. Die Schweizerische Nationalbank hat ihren Leitzins zuletzt am 19. Juni 2026 zum dritten Mal in Folge bei 0,0 Prozent belassen, wie finews.ch berichtete. Günstiges Geld erhöht die Kaufkraft der Nachfrage – in der Deutschschweiz mit ihren wirtschaftsstarken Ballungsräumen offenbar stärker als in der Romandie, wo das Preisniveau vielerorts bereits höher liegt und der Nachholbedarf kleiner ausfällt.
Der Saron-Graben: Wie unterschiedlich Käufer finanzieren
Noch grösser als beim Preiswachstum ist der Unterschied bei der Finanzierung. Landesweit stieg der Anteil der Saron-Hypotheken am von Moneypark vermittelten Volumen im ersten Halbjahr 2026 auf 24 Prozent, nach 22 Prozent im zweiten Halbjahr 2025. Regional klafft das aber weit auseinander: In der Deutschschweiz liegt der Saron-Anteil bei 32 Prozent, bei Neukäufen sogar bei über 40 Prozent. In der Romandie sank er dagegen von 14 auf 10 Prozent.
Laut Moneypark neigen Kundinnen und Kunden in der Romandie eher zu einer risikoaverseren Haltung und bevorzugen langfristige Festhypotheken zur Budgetsicherheit. Am beliebtesten bleibt schweizweit die zehnjährige Festhypothek mit 38 Prozent Marktanteil, während Laufzeiten über elf Jahre mit rund 1 Prozent ein Nischendasein fristen.
Auch bei den Anbietern verschieben sich die Gewichte: Banken vermittelten im ersten Halbjahr noch 70 Prozent des Volumens, nach 74 Prozent im Vorhalbjahr. Versicherungen legten von 14 auf 19 Prozent zu, Pensionskassen kommen auf 11 Prozent.
Was das für Verkäufer bedeutet
- Preisstrategie regional denken: Ein pauschaler nationaler Richtwert führt in der Romandie eher zu Übertreibungen und in der Deutschschweiz eher zu einem zu tiefen Angebotspreis. Eine aktuelle, regionale Vergleichswertanalyse ist 2026 wichtiger als in ruhigeren Marktphasen.
- Käuferprofil einschätzen: In der Deutschschweiz sind Saron-finanzierte Käuferinnen und Käufer heute die Regel, nicht die Ausnahme. Wer verhandelt, sollte wissen, dass ein Teil der Käuferschaft variabel finanziert ist und damit sensibler auf künftige Zinsschritte der SNB reagiert.
- Zinsvergleich der Käufer nicht unterschätzen: Zwischen dem günstigsten und teuersten Anbieter liegen bei zehnjährigen Festhypotheken laut Studie rund 40 Basispunkte in der Deutschschweiz und 30 Basispunkte in der Romandie – auf eine Hypothek von 750'000 Franken gerechnet, kann das über die Laufzeit einen Unterschied von mehreren Zehntausend Franken ausmachen. Gut informierte Käufer verhandeln entsprechend hart.
- Timing nicht überstrapazieren: Der beschleunigte Preisauftrieb im zweiten Quartal spricht für Verkäufer, die jetzt aktiv sind. Ob sich das Tempo hält, hängt stark vom nächsten geldpolitischen Entscheid der SNB im September ab.
Das grösste Risiko für Verkäufer ist nicht die falsche Zahl – es ist die falsche Region als Referenz.
Wer unsicher ist, wie sich diese Unterschiede auf den eigenen Fall übertragen lassen, sollte sich vor der Preisfestlegung eine lokale Markteinschätzung einholen, die auf tatsächlichen Transaktionen in der eigenen Gemeinde beruht – nicht auf gesamtschweizerischen Durchschnittswerten.