Kaufindex August 2026: Zentralschweiz zeigt zwei Gesichter
Häuser legen in der Zentralschweiz stark zu, Wohnungen werden günstiger. Was der ImmoScout24-Kaufindex August 2026 für Verkäufer wirklich bedeutet.
Der ImmoScout24-Kaufindex für August zeigt ein Bild, das auf den ersten Blick nicht zusammenpasst: Einfamilienhäuser wurden schweizweit so viel teurer angeboten wie seit Monaten nicht mehr, während Eigentumswohnungen kaum zulegten. Am deutlichsten wird der Unterschied in der Zentralschweiz. Dort kosteten Häuser im Monatsvergleich plötzlich spürbar mehr, während Wohnungen im gleichen Gebiet günstiger inseriert wurden. Für Verkäufer heisst das: Die regionale Schlagzeile sagt wenig darüber aus, was für das eigene Objekt gilt – der Objekttyp entscheidet mit.
Die nationalen Zahlen im August
Laut der aktuellen Auswertung von ImmoScout24 und IAZI, veröffentlicht am 3. September 2026, entwickelten sich die Angebotspreise wie folgt:
- Einfamilienhäuser: +1,0 % zum Vormonat (von CHF 8'023 auf CHF 8'107 pro m²), +4,2 % im Jahresvergleich
- Eigentumswohnungen: +0,3 % zum Vormonat (von CHF 9'551 auf CHF 9'577 pro m²), +4,5 % im Jahresvergleich
Damit liegt der Jahrestrend für beide Objekttypen weiterhin klar im Plus. Der Monatsvergleich zeigt aber, dass sich Häuser und Wohnungen im August auseinanderbewegt haben – und das nicht nur auf nationaler Ebene.
Zentralschweiz: Ein Markt, zwei Richtungen
Besonders auffällig ist die Zentralschweiz. Bei Einfamilienhäusern verzeichnete die Region im August mit +3,7 % den stärksten Anstieg aller Schweizer Grossregionen. Bei Eigentumswohnungen ging es im selben Gebiet und im selben Monat um –0,4 % nach unten.
Wer in der Zentralschweiz verkauft, sollte sich nicht an der Schlagzeile "Preise ziehen an" orientieren, sondern daran, wie sich der eigene Objekttyp – Haus oder Wohnung – tatsächlich entwickelt hat.
Das Muster zieht sich durch weitere Regionen:
- Tessin: Häuser +2,6 %, Wohnungen –0,4 %
- Mittelland: Häuser +2,3 %, Wohnungen +0,6 %
- Zürich: Häuser +1,1 %, Wohnungen –0,2 %
- Ostschweiz: Häuser +0,8 %, Wohnungen +1,8 % (hier lief es umgekehrt)
- Genferseeregion: Häuser –1,1 %, Wohnungen unverändert
Nur in der Ostschweiz drehte sich das Bild: Dort zogen die Wohnungspreise stärker an als die Häuserpreise. In den übrigen Regionen mit spürbaren Hausvorpreis-Anstiegen gaben Wohnungen hingegen leicht nach oder stagnierten.
Warum sich Häuser und Wohnungen auseinanderbewegen
Eine monatliche Momentaufnahme lässt sich nicht überinterpretieren, doch der Trend passt zu einem strukturellen Muster: Bauland für Einfamilienhäuser ist in gefragten Regionen praktisch nicht mehr verfügbar, während der Neubau fast ausschliesslich in Mehrfamilienhäuser fliesst. Martin Waeber, Managing Director Real Estate bei Swiss Marketplace Group, bringt es so auf den Punkt: Neuer Wohnraum müsse gezielt dort entstehen, wo Arbeitsplätze, ÖV-Anbindung und Nachfrage vorhanden seien – nur eine am langfristigen Bedarf ausgerichtete Bautätigkeit schaffe nachhaltige Entlastung. Solange das bei Einfamilienhäusern kaum gelingt, bleibt das Angebot knapp und reagiert empfindlich auf jede Nachfragebewegung. Der Wohnungsmarkt ist dagegen breiter abgestützt und schwankt entsprechend weniger stark – ausser dort, wo wie in der Ostschweiz gerade ein Nachholeffekt einsetzt.
Was das für Verkäufer bedeutet
- Nicht an der Region allein orientieren: Prüfen Sie, ob die veröffentlichten Zahlen für Ihren konkreten Objekttyp gelten – ein Haus in der Zentralschweiz folgt derzeit einer anderen Kurve als eine Wohnung im selben Gebiet.
- Jahresvergleich mitdenken: Ein einzelner Monat kann durch wenige grosse Transaktionen verzerrt sein. Die Jahresveränderung (+4,2 % bzw. +4,5 %) zeigt den robusteren Trend.
- Lokale Vergleichswerte einholen: Wer eine Preisstrategie festlegt, sollte sich nicht auf nationale oder regionale Durchschnittswerte verlassen, sondern eine Bewertung anhand vergleichbarer Objekte in der eigenen Gemeinde einholen.
- Timing überdenken, aber nicht überstürzen: Ein starker Monat für Häuser in der eigenen Region kann ein günstiges Verkaufsfenster signalisieren – ersetzt aber keine fundierte Einschätzung des eigenen Objekts.
Quellen
- Swiss Marketplace Group, Medienmitteilung Kaufindex 08/2026, 3. September 2026
- cash.ch: Wohneigentumspreise in der Schweiz haben im August angezogen, 3. September 2026
- watson.ch: Wohneigentumspreise haben im August angezogen, 3. September 2026